Bart Wijnhoven: „Ich bin nicht weg!“

Hamburg – Bart Wijnhoven ist u.a. als Betriebsleiter des Sportwerk Hamburg, in dem seit 2016 die Deutschen Einzelmeisterschaften der Damen und Herren stattfinden, und als ehemaliger Jugend-Landestrainer des Hamburger Squash Verbandes im deutschen Squashsport sehr bekannt. Im DSQV-Interview mit DSQV-Pressesprecher Lennard Jessen stellte Wijnhoven sich aktuellen Fragen.

DSQV: Seit 1. September 2021 bist du kein Jugend-Landestrainer in Hamburg mehr. Wie kam es dazu und was machst du aktuell?

BW: Ende Juli kam mein Sohn Sam zur Welt. Ich wohne weiterhin in Hamburg in meiner Hauptwohnung mit meiner Frau Karine. Wir haben eine Zweitwohnung in den Niederlanden. Des Weiteren ist die zusätzliche Belastung als Landestrainer, der auch für das Kadertraining in Hamburg verantwortlich ist, sowie als Betriebsleiter des Sportwerk Hamburg ziemlich hoch. Daher ist ein Wechsel zu Lennard Hinrichs, der ebenfalls von mir ausgebildet wurde, auch sinnvoll. Ich bin keineswegs weg und weiterhin voll im Sportwerk Hamburg engagiert, nur mit anderen Schwerpunkten. So bin ich Lennards Assistent als Trainer und kümmere mich nun verstärkt um die strategische Hintergrundarbeit im Sportwerk, wohingegen Paul Wingelsdorf für die operativen Aufgaben zuständig ist. Denn: Erfolg ist keine One-Man-Show! Derzeit arbeite ich intensiv daran, wie wir das Sportwerk in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ausrichten, um Squash auch langfristig auf hohem Niveau zu ermöglichen! Ein zentrales Thema ist dabei die Verlängerung des in rund fünf Jahren auslaufenden Pachtvertrages, den ich gerne um 30 Jahre verlängert haben möchte! Das Restaurant wird nun von Kim Felde geleitet, da meine Frau Karine als frühere Leiterin in Elternzeit ist!“

Bart Wijnhoven (re) mit seiner Frau Karine und Sohn Sam – Bild: privat

DSQV: Erst einmal Glückwunsch zur Geburt des Sohnes Sam. Wie gefällt dir deine neue Rolle als Vater?

BW: Ich freue mich sehr und bin sehr stolz, dass ich nun Vater geworden bin. Jetzt so im ersten halben Jahr stehe ich meist nur an der Seite. Ein großes Lob an meine Frau Karine, die den Großteil der Arbeit erledigt! Meine Familie steht derzeit an erster Stelle!

DSQV: Du hast es bereits angesprochen: Die strategische Ausrichtung des Sportwerk Hamburg für die nächsten Jahre und Jahrzehnte. Was planst du im Detail?

BW: Zunächst steht wie gesagt die Verlängerung des Pachtvertrages an. Gleichzeitig wollen wir das Sportwerk komplett renovieren. Die Courts sind in gutem Zustand und wollen wir daher behalten, aber im Bereich des Eingangs sowie beim Fitness und in den Kursräumen wollen wir etwas spürbar verändern, indem das ganze vordere Gebäude abgerissen wird und mit mehreren Stockwerken komplett neu gebaut werden soll. Wir wollen also wirklich etwas auf die Beine stellen hier im Sportwerk und auch Squash dabei eine langfristige Perspektive bieten!

DSQV: Du bist zusätzlich mit deiner „championsfactory“ als mentaler Coach engagiert. Was genau steckt dahinter?

BW: Mentaltraining ist eine Leidenschaft von mir! Ich habe festgestellt, dass alle Sportler*innen speziell im Profibereich mit gleichen Problemen kämpfen, wo der mentale Faktor entscheidend ist. Die Topspieler*innen auf der PSA World Tour bestätigen mir dies auch und beziffern den mentalen Teil auf rund 80 % in Bezug auf den Erfolg bei ihren Matches. So habe ich z.B. Paul Coll, der gestern die Canary Wharf Classic 2021 gewann, oder Nele Gilis in meinem Team. Zwischen den Matches telefoniere ich mit meinen betreuten Athleten*innen und begleite sie wo ich kann auch direkt persönlich vor Ort. Ich verfolge dabei nicht meine Ziele, sondern die Ziele meiner Athleten*innen! Alles ist möglich, wenn man es nur erreichen will!

DSQV: Was sollte sich deiner Meinung nach im Squash ändern, um mehr jugendliche Spieler*innen zu gewinnen?

BW: An Squash generell sollte sich gar nichts ändern, denn der Sport ist einfach geil! Grundsätzlich ist es einfach wichtig, dass wir mehr handeln anstatt nur zu reden! Dabei sollte auch weniger gestritten werden. Jede Streitminute ist eine verlorene Minute! Die Zeit sollte lieber auf dem Court genutzt werden! Ebenfalls sollte Squashtraining strukturell und dauerhaft in vielen Anlagen angeboten werden. Hierin sehe ich die Kernaufgabe! Dabei ist auch sehr wichtig, dass die Athleten*innen Spaß am Sport haben und diesen auch vermittelt bekommen.

DSQV: Wie bist du eigentlich zum Squash gekommen und was waren deine bisher größten und vielleicht auch schönsten Erfolge?

BW: Zum Squash gekommen bin ich mit ca. 16 oder 17 Jahren als Schulsport in Holland. Vorher bin ich geschwommen und habe Fußball gespielt. Anfangs stand ich täglich drei bis vier Stunden auf dem Court. Mein größter Erfolg war als ich holländischer Mannschaftspokalsieger wurde und mit meinem Team in die höchste Spielklasse aufstieg. Hier in Deutschland bin ich sehr stolz auf mein Team in der Bundesliga mit Sportwerk Hamburg. Vor rund 10 Jahren haben wir alle gemeinsam begonnen etwas aufzubauen, was nun seine schönen Früchte hervorbringt! Darauf bin ich stolz!

DSQV: Du trainierst seit Längerem regelmäßig Triathlon. Wie kam es dazu?

BW: Alle drei Disziplinen absolviere ich schon seit Kindertagen. Mein Zwillingsbruder betreibt Triathlon fast professionell, sodass ich da mitreingerutscht bin. Seit Beginn der COVID-19-Pandemie waren die Trainingsmöglichkeiten sehr eingeschränkt, sodass ich dann vermehrt Triathlon trainiert habe. Im August dieses Jahres reichte es dann sogar zur Teilnahme am Triathlon in Hamburg, der die gleichen Distanzen wie der bekannte „Iron Man auf Hawai“ beinhaltet. Also: 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad fahren und einen Marathon laufen. Das Triathlon-Training hilft mir im Squash besonders im Bereich der Grundlagenausdauer. Nun muss ich natürlich auch wieder mehr im Schnelligkeitsbereich machen und wieder mehr spielerische bzw. technisch/taktische Elemente einbauen!

Bart Wijnhoven beim Triathlon – Bild: privat

DSQV: Was zeichnet für dich Squash aus?

BW: Squash ist schnell und dynamisch, das mag ich sehr. Du kannst dich nicht hinter deinem Teamkollegen verstecken und bist für alles alleinverantwortlich auf dem Court. Du bist also weitestgehend auf dich gestellt, kannst aber dennoch in der Liga auch den Teamgedanken sehr pflegen!

DSQV: Mitte Dezember steht ein Weltranglistenturnierduo bei euch im Sportwerk an: Die Sportwerk Women’s und Men’s Open 2021. Wie laufen euren Planungen und Vorbereitungen?

BW: Die Vorbereitungen laufen gut. Wir müssen natürlich abwarten, wie sich die Regelungen rund um Corona weiterentwickeln. Spielberechtigt sind nach aktuellem Stand nur dauerhaft in der EU wohnhafte Spieler*innen mit Mitgliedschaft der Professional Squash Association (PSA). Wir wollen vor dem Jahreswechsel noch ein tolles Event bei uns haben!

DSQV: Vielen Dank für deine Zeit des Interviews, Bart. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg bei allen Aufgaben!

BW: Danke euch für dieses schöne Interview, Lennard!

 

Das Interview führte Lennard Jessen für den DSQV.

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