Patrick Gässler: „Ein guter Squash-Trainer braucht Leidenschaft!“

(LJ) Magstadt – Der Name Patrick Gässler und die Sportart Squash sind untrennbar miteinander verbunden: Gässler gewann U19-Bronze bei der Einzel-EM 2003 in Deutschland in Parsdorf, spielte 17 Jahre Bundesliga mit der Sport Insel Stuttgart, mit der er 2006 Deutscher Mannschaftsmeister wurde und den Sieg beim ECC holte, ist Landestrainer in Baden-Württemberg und ein Bundeshonorartrainer des Deutschen Squash Verbandes e.V. (DSQV) sowie seit Januar 2019 Inhaber der Squashanlage Squash Tempel Magstadt. Zum Squash gekommen ist er durch seine squashbegeisterten Eltern schon von jüngstem Kindesalter an, als diese ihn in die nächstgelegene Anlage Squash Treff Leonberg mitnahmen. Im Interview mit DSQV-Pressesprecher Lennard Jessen spricht Gässler u.a. über die Corona-Krise, seine größten Erfolge, definiert Erfolg und die Eigenschaften eines guten Trainers und nennt Motivationsgründe, die ihn dazu gebracht haben, eine eigene Squashanlage zu führen.

Hallo, Patrick. Super, dass du Zeit für ein DSQV-Interview hast. Fangen wir gleich an: Du bist B-Lizenztrainer Leistungssport, Bundeshonorartrainer des DSQV, Landestrainer Baden-Württemberg und Inhaber des Squash Tempels Magstadt. Hast du derzeit mehr oder weniger als vor Beginn der Corona-Krise zu tun?

Patrick Gässler – Bild: Squash Tempel Magstadt

Das ist schwer zu sagen. Insgesamt habe ich wohl etwas weniger zu tun als vor der Corona-Krise. Am Anfang konnte ich durch die vollständige Schließung sämtlicher Anlagen so gut wie gar nichts machen. Als dann die ersten Lockerungen für Bundes- und Landeskaderathleten*innen kamen und ich den Gastronomiebereich hier im Squash Tempel Magstadt wieder öffnen konnte, bekam ich dann schnell wieder eine Menge zu tun. Derzeit trainiere ich zweimal pro Woche unseren Landesjugendkader. Dabei werden die vorgeschriebenen Abstands- und Hygieneregeln natürlich umgesetzt und eingehalten. Insgesamt ist es eine schwere Zeit, weil man immer den Vergleich mit dem normalen Alltag zieht.

Du hast jahrelang in der Bundesliga der Deutschen Squash Liga e.V. (DSL) für die Sport Insel Stuttgart gespielt und warst von 2004 bis 2008 auf Weltranglisten der Professional Squash Association (PSA) unterwegs, wo du mit Platz 119 im Mai 2007 dein bestes Ranking hattest. Was waren für dich persönlich deine größten Erfolge in deiner bisherigen Karriere und woran denkst du besonders gerne zurück?

Ich liebe es Einzel zu spielen, aber ich spiele auch sehr gerne in der Mannschaft. In verschiedenen Ligen und Ländern kann ich auf nationale Meisterschaften zurückblicken. Der größte und schönste Mannschaftserfolg war auf jeden Fall der Deutsche Mannschaftsmeistertitel mit der Sport Insel Stuttgart im Jahre 2006, wonach wir dann auch die European Club Championships gewannen. Besonders gerne erinnere ich mich dabei an den 3:0 Sieg gegen Simon Rösner im Rahmen der Deutschen Mannschaftsmeisterschaften 2006. In der Jugendzeit erinnere ich mich sehr gerne an meine Bronze-Medaille bei den Einzel-Europameisterschaften U19 im Jahr 2003. Hier wäre sogar noch mehr drin gewesen, aber am Ende war Bronze eine gute Leistung.

Wie gehst du als Landestrainer Baden-Württemberg mit den aktuellen Beschränkungen im Training um? Welche Lösungsansätze und Wege habt ihr zur Trainingswiederaufnahme gefunden?

BW-Landestrainer Patrick Gässler (Mitte, hinten) mit einem Teil seines baden-württembergischen Jugendkaders – Bild: SRLV BW e.V.

Seit knapp zwei Wochen können unsere Bundes- und Landeskaderathleten*innen wieder trainieren. Es sind dabei unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln maximal fünf Personen gleichzeitig im Training und maximal zwei Personen pro Court zulässig. Übungen sind z.B. Boast-Longline oder vorne vs. hintere Courthälfte, um den Abstand einzuhalten.

Wie definierst du Erfolg?

Erfolg ist für mich, wenn man seine Schwelle an Machbarem jeden Tag ein Stück weiterschieben kann.

Wie sieht das Nachwuchsförderkonzept in Baden-Württemberg im Groben aus?

Wir haben unser Landesleistungszentrum in Kornwestheim bei Stuttgart. Der Raum Stuttgart liegt zentral in unserem Bundesland und von dort arbeite ich mit allen Trainer*innen in den verschiedenen Vereinen zusammen und stimme mich mit ihnen regelmäßig ab. Der Support der Vereinstrainer ist sehr gut und wir sind ein gutes Team.

Was kennzeichnet für dich einen guten Squash-Trainer? Was muss man unbedingt mitbringen?

Leidenschaft ist am allerwichtigsten! Außerdem benötigt man das Bewusstsein, dass Squash anders ist als andere Sportarten. Ebenfalls ist ein gutes angepasstes, individuelles Denken notwendig, um alle Trainierenden in einer Trainingsgruppe gezielt fordern und fördern zu können. Oft hast du bei fünf Jugendlichen fünf verschiedene Charaktere und Spieltypen und das musst du unter einen Hut bringen sowie für Harmonie sorgen und ein gutes Trainingsklima in der Gruppe erzeugen.

Seit Januar 2019 bist du Inhaber des Squash Tempels Magstadt. Wie kam es dazu, was war deine Motivation?

Einerseits macht mir Training geben sehr viel Spaß. Andererseits wollte und möchte ich immer mehr Leute für Squash begeistern und zu diesem tollen Sport bringen. Als Anlageninhaber kann ich dieses dann neben meiner Rolle als Trainer auch noch weiter beeinflussen. Es war ein Kindheitstraum, eine eigene Anlage zu führen. Ich habe in meiner Vergangenheit viele Elemente gelernt, die es mir letztlich ermöglicht haben: Durch meine Trainertätigkeit kenne ich sehr viele verschiedene Anlagen und Konzepte. Außerdem habe ich längere Zeit im Online-Marketing gearbeitet und kann auch meine kaufmännische Ausbildung gut einbringen und effektiv nutzen.

Wie kommst du mit deiner Anlage durch die Corona-Krise? Wie ist der Sachstand bei euch in Baden-Württemberg, wann auf Basis regionaler Verordnungen wieder für alle Squash trainiert und gespielt werden kann?

Ab kommenden Dienstag, 2. Juni ist unsere Anlage für den kompletten Breitensport wieder offen. Bisher komme ich dank vielseitiger Unterstützung und Akzeptanz gut mit der Anlage durch die Krise. Eine Crowdfunding-Aktion für die Anlage wurde sehr gut angenommen und ich bin jedem einzelnen Unterstützer für den Support sehr dankbar. Außerdem helfen mir auch meine guten Drähte in verschiedene andere Squash-Hallen bei der Wiedereröffnung, um sich Anregungen zu holen und sich gegenseitig zu helfen. Derzeit bin ich dabei, dass von der DSL, dem DSQV und squashnet.de herausgegebene Schutzkonzept für Squashhallen auf meine Anlage zu übertragen. Bei einer Anlage von rund 1.000 m² mit sieben Courts und Gastronomie bedeutet das einen großen Aufwand.

DSQV-Bundeshonorartrainer Patrick Gässler (Mitte, rechts) mit einem Großteil der deutschen Nachwuchsspielerinnen und – spieler sowie DSQV-Bundeshonorartrainer Christian Radeke (hinten, 2. v. l.) – Bild (Archiv): DSQV e.V.

Zum Schluss hast du die Möglichkeit, etwas Allgemeines als Trainer in der derzeitigen Situation loszuwerden. Was möchtest du gerne mitteilen?

Ich würde mich sehr freuen, wenn Squash in Deutschland wieder schnell zur Normalität zurückfindet und der Spaß am Sporttreiben allgemein wieder schnell aufleben kann. Gleichzeitig sollte diese Krise als Weckruf verstanden werden, dass unser Zusammenhalt in der gesamten Gesellschaft besser werden muss. Man hat gesehen, wie Solidarität in der Krise gelebt wurde, wie man es vorher nicht häufig wahrgenommen hat. Ein anderes Thema, aber speziell auf unseren Sport bezogen: Ich finde, dass wir im Squashsport eine gute Gemeinschaft sind, die sich besonders durch sehr nahe Athleten*innen auszeichnet. So waren beispielsweise Simon Rösner und Raphael Kandra beide bei der 3. DSMP-DSQV Jugendrangliste in der letzten Saison im Januar dieses Jahres zu Besuch. Das kam super an bei den Kids und sorgt für hohe Motivation und erzeugt Inspiration! Diese Nähe der Athleten*innen untereinander zeichnet unseren Sport u.a. auch sehr aus.

 

Das Interview führte Lennard Jessen für den DSQV.

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