Deutschland geht mit München ins Rennen um Olympische und Paralympische Spiele
- 27.09.2026, 19:00
- Von: Lennard Jessen
Baden-Baden - Außerordentliche Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wählt in Baden-Baden Bayerns Landeshauptstadt im Wettstreit mit KölnRheinRuhr mit 64,91 Prozent der Stimmen als nationalen Kandidaten. Nun stehen alle hinter der Bewerbung für Deutschland.
Sondersendung zur Kandidatenwahl in der Sportschau am Samstag, den 26. September
Um 14.43 Uhr am gestrigen Samstagnachmittag war die Entscheidung offiziell: Deutschland geht mit München in das internationale Rennen um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeiner verkündete gemeinsam mit DOSB-Präsident Thomas Weikert das Ergebnis in einer Sportschau-Sendung aus dem Kurhaus Baden-Baden live im Ersten.
Nach dem Rückzug Berlins standen nur noch zwei Bewerbungskonzepte zur Wahl. Deshalb war bereits nach einem Wahlgang am Vormittag entschieden, dass die stimmberechtigten Delegierten der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) München mit 64,91 Prozent der Stimmen zum nationalen Bewerber gewählt haben. 91 Stimmen entfielen auf München, 50 Stimmen auf KölnRheinRuhr. Abstimmungsberechtigt waren die 42 olympischen Fachverbände mit je drei Stimmen sowie mit je einer Stimme die zehn Mitglieder des DOSB-Präsidiums und acht Persönliche Mitglieder, von denen Elena Gilles, Leon Goretzka und Anna Schaffelhuber aus persönlichen Gründen nicht teilnehmen konnten. So waren insgesamt 141 Stimmen zu vergeben.
Stimmen aus Sport und Politik
DOSB-Präsident Thomas Weikert sagte:
„Heute ist ein guter Tag für den deutschen Sport. Am Ende des nationalen Prozesses steht mit München ein sehr guter Bewerber, der mit seinem Konzept Sportdeutschland am meisten überzeugt hat. Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt: Wir werden mit München gemeinsam den nächsten Schritt gehen und Deutschland im internationalen Wettbewerb um die Olympischen und Paralympischen Spiele vertreten.“ Der DOSB-Vorstandsvorsitzende Otto Fricke sagte: „Ich gratuliere der Landeshauptstadt München und ihrem Oberbürgermeister Dominik Krause sowie dem Freistaat Bayern und seinem Ministerpräsidenten Markus Söder zur Wahl als nationaler Bewerber sowie allen Unterstützerinnen und Unterstützern im und außerhalb des Sports. Die Mitgliederversammlung hat in einem demokratischen Verfahren entschieden. Damit haben wir einen klaren Auftrag für die nächste Phase der Bewerbung.“
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der Schirmherr des DOSB ist, äußerte sich in seiner Rede während der Bühnenshow:
„Wir alle wollen die Spiele wieder in Deutschland haben. Die Kandidaten haben großartige Konzerte hingelegt, sich untereinander einen fairen Wettbewerb geliefert. Herzlichen Dank allen, die sich engagiert haben. Die Bewerbung ist eine Riesenchance für das gesamte Land. Bauen wir Barrieren ab, nutzen wir den Schwung, um unser Land voranzubringen und zu bekräftigen, wer wir sind und was wir bleiben wollen. Bringen wir unser Land in Bewegung, um alles zu stärken, was uns verbindet. Machen wir die Bewerbung zu unserer gemeinsamen Sache! Wenn wir als Team Deutschland antreten, haben wir beste Chancen, Gastgeber zu werden.“
Der Staatsminister für Sport und Ehrenamt, Ronald Rauhe, kommentierte die Entscheidung:
„Ich freue mich, dass wir mit München einen tollen Kandidaten für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland haben. Wir wollen und werden jetzt das IOC überzeugen – Deutschland ist bereit! Und das werden wir gemeinsam tun: Der DOSB an der Spitze des Sports, unser Kandidat und die Bundesregierung. Olympische und Paralympische Spiele inspirieren. Sie können ein ganzes Land in Bewegung bringen. Menschen verbinden. Mut machen. Und sie können uns daran erinnern, dass wir gemeinsam Großes schaffen können. Ab heute gibt es eine deutsche Bewerbung. Die Bundesregierung steht fest dahinter.“
Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause meinte:
„München geht ins Rennen! Das ist ein toller Tag für unsere Stadt und ein großer Schritt auf dem Weg zu Olympischen und Paralympischen Sommerspielen in München und Bayern. Ich freue mich sehr, dass wir mit unserem Konzept nicht nur voriges Jahr die Münchner*innen überzeugt haben, sondern heute auch ganz Sportdeutschland. Im Schulterschluss mit Stadtgesellschaft, Sportverbänden, Wirtschaft und Politik werden wir unsere Vorbereitungen mit voller Kraft vorantreiben. Ich bin überzeugt: Wenn Freistaat und Stadt weiter so eng und gut zusammenarbeiten, ist auch im internationalen Rennen alles möglich. Ich möchte mich auch bei den anderen Bewerbern für den fairen Umgang in den vergangenen Monaten bedanken und bin mir sicher, dass der Weg zu Olympischen und Paralympischen Spielen in Deutschland auch in Berlin und Nordrhein-Westfalen weiterhin unterstützt wird. Nur gemeinsam können wir gewinnen und für eine neue Aufbruchstimmung im ganzen Land sorgen.“
Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder sagte:
„Gemeinsam für Olympia! Es ist wieder an der Zeit für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland. Wir wollen ein neues Sommermärchen mit internationaler Strahlkraft organisieren. Danke für das Vertrauen des DOSB: Es ist eine große Ehre und zugleich ein großer Ansporn. Und danke allen Bewerbern für ihren Einsatz und den fairen Wettstreit. Jetzt gilt es, gemeinsam das IOC im internationalen Auswahlverfahren zu überzeugen. Uns alle eint ein Ziel: Wir wollen Olympia unbedingt. München will es und München kann es. Unsere Olympiabewerbung hat eine große internationale Strahlkraft, setzt auf ein nachhaltiges One-Village-Konzept und ist getragen vom Rückhalt in der Bevölkerung. Mit den Segelwettbewerben in Kiel startet das Olympia-Doppel von 1972 neu durch. Wir wollen den einzigartigen Spirit von Olympia neu erleben und der Welt ein hervorragender Gastgeber sein. Das ist auch ein Motivationsbooster für die junge Generation. Deutschland und Olympia – das wäre was. Mögen die Spiele beginnen!“
In zwei eindrucksvollen Grußworten stellten sich Christoph Holstein (SPD), Staatsrat für Sport in der Freien und Hansestadt Hamburg, und Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) im ersten Teil der Veranstaltung hinter die deutsche Bewerbung und bedankten sich für den fairen Umgang unter den ehemals vier Kandidaten und die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem DOSB. „Jetzt geht es darum, dass Deutschland die Spiele bekommt und wir gemeinsam gewinnen“, sagte Wegner. Holstein unterstrich, dass Hamburg seine Investitionen in den Sport unverändert weiterführen werde.
Als Stimme der Athlet*innen wünschten die in Baden-Württemberg ansässigen Sabrina Sprengel, Siebenkämpferin vom VfB Stuttgart, und Maurice Schmidt, Paralympicssieger im Rollstuhlfechten von der SV Böblingen dem deutschen Kandidaten viel Erfolg im internationalen Rennen und schilderten aus ihrer Sicht die gesellschaftliche Bedeutung des Sports. Während der ARD-Livesendung wurde zudem ein Interview mit Fußball-Bundestrainer Jürgen Klopp eingespielt, in dem dieser seine Faszination für Olympische und Paralympische Spiele erklärte und sich hinter die Bewerbung stellte.
Michael Gäde, Präsident des Deutschen Squash Verbandes, erklärte:
"Herzlichen Glückwunsch an München zur Nominierung als deutscher Bewerber für Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044. Gestern fiel im Kurhaus Baden-Baden die Entscheidung über den deutschen Kandidaten. Die Delegierten, unter anderem auch ich, hatten die Wahl zwischen den Bewerberkonzepten von München und KölnRheinRuhr. Hamburg und Berlin sind leider nicht zur Wahl angetreten. Das ist ein bedeutender Moment für den deutschen Sport und der nächste Schritt auf dem Weg zu möglichen Olympischen und Paralympischen Spielen in Deutschland. Viel Erfolg an den DOSB für den weiteren internationalen Bewerbungsprozess!"
Nationale Auswirkungen des deutschen Bewerbungsprozesses
Mit der heutigen Wahl des nationalen Bewerbers endet das nationale Auswahlverfahren des DOSB. Der gemeinsame Bewerbungsprozess hat bereits wichtige Impulse für den Sport in Deutschland gesetzt und konkrete Investitionen angestoßen. In Berlin soll ein Fonds eingerichtet werden, der direkt in den Breitensport fließt. Zudem hat der Senat einen Beschluss zur Stärkung des Schulsports gefasst. Hamburg investiert bis 2030 rund 900 Millionen Euro in seine Sportinfrastruktur. Nordrhein-Westfalen setzt mit der Sportmilliarde, höheren Olympiaprämien und Maßnahmen zur Stärkung von Ehrenamt, Trainerinnen und Trainern sowie Inklusion deutliche Akzente. Bayern stärkt den Sport unter anderem mit einem neuen Sportgesetz, einer dauerhaften jährlichen Förderung von 100 Millionen Euro, im Münchner Stadtgebiet wurde ein sehr umfangreiches Sportbauprogramm bewilligt. Damit hat der Bewerbungsprozess bereits über die heutige Entscheidung hinaus Wirkung entfaltet – und wichtige Grundlagen für die weitere Entwicklung des Sports in Deutschland geschaffen.
So geht es nun international weiter mit dem Bewerbungsprozess
Mit dem Ende des nationalen Auswahlverfahrens startet nun der internationale Bewerbungsprozess. Der DOSB befindet sich seit November 2025 im Continuous Dialogue mit dem IOC und gilt seitdem auch international offiziell als Interessent für die Austragung Olympischer und Paralympischer Spiele. Auf den „Continuous Dialogue“ folgt der „Strategic Dialogue“. Diese neu eingeführte strategische Dialogphase soll im Rahmen der Vergabe der Spiele 2036 erstmals im März 2027 beginnen und den Austausch zwischen dem IOC und interessierten Bewerbern weiter vertiefen, auch um eine möglichst hohe Passfähigkeit mit den IOC-Zielen zu schaffen. Ende 2028 soll dann der „Targeted Dialogue“ mit einem oder mehreren Bewerbern eröffnet werden. Die Vergabe der Spiele 2036 soll auf der IOC-Session Mitte 2029 erfolgen.













