Dr. Andreas Franke-Thiele: „Schule bietet ein riesiges Nachwuchspotenzial!“

Hamburg – Wie kann ein Verein oder Verband die Sportart Squash in eine Schule bringen? Um diese zentrale Fragestellung dreht sich das neueste Interview unserer Presseabteilung mit dem Sportwissenschaftler und pensionierten Hamburger Gymnasiallehrer Dr. Andreas Franke-Thiele. Angeknüpft wird dabei an das von ihm im Rahmen der DSQV-Initiative Squash UP! für den Deutschen Squash Verband e.V. (DSQV) erstellte Konzept, wodurch ein niedrigschwelliger Einstieg in die Materie Squash in der Schule möglich wird. Anfang September dieses Jahres interviewten wir Dr. Andreas Franke-Thiele bereits allgemein zum Thema Schule und Squash, wo er u.a. über Trends in der Sportentwicklung und seine Rolle in der DSQV-Initiative Squash UP! sprach (wir berichteten).

Mit dem Klick auf das Bild kann das Konzept für Schulkooperationen geöffnet werden.

DSQV: Moin, Andreas. Du hast eine Handreichung für Schulkooperationen speziell für Squash erstellt, die du aus wertvollen Erkenntnissen in Hamburg über den DSQV jedem Squash-Verein und -Verband nun bundesweit als ein mögliches Beispiel einer konzeptionellen Schablone zur Verfügung und Nutzung vor Ort in den verschiedenen Regionen in Deutschland überlässt. Inwiefern besteht deiner Ansicht nach ein Unterschied zwischen Verein und Verband bei diesem Thema?

Dr. Andreas Franke-Thiele: Ein Verein arbeitet „eher von unten“, der Verband „eher von oben“: Der Verein kann leichter direkt auf eine Schule zugehen als der übergeordnete Verband, der daher mit der Schulbehörde des jeweiligen Bundeslandes in Kontakt treten sollte und im Idealfall einige Vereine für eine Zusammenarbeit mit Schulen exemplarisch nennt.

Ein Verein kann natürlich auch ohne einen Verband im Hintergrund auf eine Schule zugehen, der beteiligte Verband sollte aber zumindest informiert sein. Besser ist es jedoch, wenn der Verband sich darüber stellt und das Ganze großflächig in Abstimmung mit der Schulbehörde ausrollt anstatt nur punktuell.

Dr. Andreas Franke-Thiele im zweiten DSQV-Interview – Bild: privat

DSQV: Welche Beteiligten sind in einer Schule für einen Verein oder Verband besonders wichtig, wenn eine Schulkooperation für Squash erfolgreich aufgebaut werden soll?

Dr. Andreas Franke-Thiele: Dabei gibt es meiner Meinung nach grundsätzlich zwei Wege: Der leichtere ist eindeutig, wenn dem Verein bzw. Verband im bestehenden Lehrerkollegium ein Sportlehrer bekannt ist, der Interesse an der Idee generell mitbringt. Dieses „Vitamin B“ ist oft von enormer Wichtigkeit für einen ersten „Fuß in der Tür“.

Die schwierigere Variante geht über die Schulleitung, die das Thema meist an jemand anderen weitergibt. Diese weitere Person muss dann durch die Schulleitung gefunden werden. In einer Schule mit Sportorientierung funktioniert das aber meist gut. Dann bietet es sich beispielsweise auch an, direkt auf das sportbetonte Schulkonzept im Rahmen des ersten Kontaktes einzugehen.

DSQV: Wenn die Beteiligten identifiziert sind, sollten gemäß deinem Konzept im nächsten Schritt Angebotsformate und deren Rahmenbedingungen definiert werden. Kannst du das näher veranschaulichen?

Dr. Andreas Franke-Thiele: Mit Angebotsformaten ist gemeint, in welcher Art und Weise Squash an einer Schule eingebunden werden kann. Da gibt es eine breite Palette an Optionen wie z.B. Sportunterricht, Nachmittagsbetreuung, Ferienangebote, Squash im Wahlpflichtkurs, Mitmachangebote am Tag der offenen Tür, Erwerb einer Trainerlizenz im Rahmen eines Sportprofils, Fortbildung der Lehrkräfte usw. Ganz wichtig ist dabei immer: Klare Herausstellung des Angebotscharakters und der vielen Möglichkeiten. Eine Schule muss sehen, was alles möglich sein kann. Dieses kann sie dann annehmen oder auf ihre Bedürfnisse hin modifizieren. Mit einem fertig ausgearbeiteten individuellen Konzept zu kommen, macht daher meiner Ansicht nach nicht so viel Sinn. Es sollte immer als Schablone gedacht sein, bei der viel Freiraum zur weiteren Ausgestaltung gelassen wird, um eine Schule nicht bereits im Vorwege in der Angebotsauswahl zu sehr einzuengen.

Im Anschluss werden dann die Rahmenbedingungen für jedes Format abgesteckt: Wer?, wie?, was?, wann?, wo?, womit? und wie teuer? Ich möchte hierbei betonen, dass das „Wie teuer?“ sich auf grobe Schätzungen ohne jede Verbindlichkeit bezieht, die Simon Frenz in der Initiative Squash UP! vorgenommen hat. Es ist ebenfalls im Rahmen von Gesprächen mit einer Schule wichtig zu klären, ob das Material wie Schläger, Bälle, Brillen usw. gestellt werden kann. Nach Absprache kann zukünftig auch die Option bestehen, dass die Initiative Squash UP! dabei hilft und auch im gewissen Rahmen finanziell mitunterstützt.

DSQV: Öfters befindet sich die nächste Squashanlage nicht in unmittelbarer Nähe einer Schule. Welche Lösungsmöglichkeiten siehst du dazu?

Dr. Andreas Franke-Thiele: Innerhalb der Rückschlagspiele gibt es viele verschiedene Formen. Wichtig ist, dass ein möglichst niedrigschwelliger Einstieg besteht. Innerhalb der Schule können z.B. drinnen oder draußen mobile Wände aufgestellt oder feste Wände für ein Squashspiel auf nur eine Wand mit verhältnismäßig geringem Aufwand installiert werden.

Das Ziel sollte aber immer sein, am Ende auch auf einem regulären Squashcourt zu stehen: Denn die vorgenannten beispielhaften dem Squash ähnlichen Spielformen sollten nur Vorbereitungscharakter haben. Squash in seiner reinsten Form ist daher das klare Ziel! Je weiter eine Anlage von einer Schule entfernt ist, desto eher könnten beispielsweise auch Projektwochen installiert werden. Ich habe in Hamburg selbst die Erfahrung gemacht, dass es dabei z.B. gut ankommt, wenn eine Verbindung zwischen Squash- und Fitnessangeboten hergestellt wird.

DSQV: Du hast als eine Angebotsform auch die Lehrerfortbildung genannt. Welche Rolle spielen denn fortgebildete Lehrerinnen und Lehrer?   

Dr. Andreas Franke-Thiele: Sie haben einen täglichen, pädagogischen Zugang zu den Schülerinnen und Schülern und können innerhalb der modernen Rückschlagspielekonzeptionen der Bildungspläne Squash als das nachweislich typischste Einzelrückschlagspiel positionieren und vermitteln. Eine Schule bietet ein riesiges Nachwuchspotenzial für eine Sportart, da dort sehr viele Kinder und Jugendliche einfach immer da sind und so eine breite Masse leicht angesprochen werden kann.

Darüber hinaus können sie Talente erkennen, Wettbewerbe organisieren und ggf. weitervermitteln an den Schulsportwettbewerb ‚Jugend trainiert für Olympia‘ bzw. an den nächstgelegenen Squashverein. Hier können sie als – qua Amt bezahlte – Lehrkräfte   ggf. eine Lücke schließen zu fehlenden oder ehrenamtlich tätigen Trainern im Verein.

Gleiches gilt für Referendarinnen und Referendare, die Squash in Schulen tragen können und sich damit etablieren können. Im Nachmittagssport von AG’s sehe ich einen fruchtbaren Übergangsbereich zum Vereinssport, in dem gleichsam Trainer*innen und/oder Lehrer*innen tätig sein können und eine Kooperation von Schule und Verein im Squash nutzbringend ausfüllen können.

DSQV: Welche Ansprechpartner stehen Vereinen, Verbänden und weiteren Personen zur Verfügung, die sich ebenfalls für das Thema Schulkooperationen im Squash interessieren?

Dr. Andreas Franke-Thiele: Das sind momentan Simon Frenz und meine Wenigkeit von der Squash UP! – Initiative. Wichtig ist, dass sich möglichst viele Vereine und Landesverbände beteiligen, denn nur dann werden wir gesehen. Squash UP! kann im Idealfall das Wissen großflächig weitergeben und das erforderliche Netzwerk bilden, um das Thema bundesweit auszurollen. Die Umsetzung muss letztlich vor Ort erfolgen, wir wollen die Leute dazu mit unseren Ideen, Erfahrungen und Konzepten fit machen. Wir bereiten gerade im Rahmen von Squash UP! auch ein Portal zum einfachen Informationsaustausch für alle Interessierten vor, um Wissenswertes leichter und schneller teilen zu können.

DSQV: Danke für dein erstelltes Konzept im Rahmen unserer Initiative Squash UP!, Andreas.

 

Das Konzept ist hier erneut als ausformulierte Handreichung verlinkt. Sie ist für den DSQV erstellt worden und kann von jedem Interessierten genutzt, modifiziert, erweitert usw. werden. In dieser Handreichung zu dem Konzept wurden die Formate, die in Schulen angeboten werden können, von Ralph Faust und Simon Frenz mit Angaben zu Material, Personal und Kosten ausdifferenziert, sodass daraus ein Gemeinschaftswerk der DSQV – Initiative Squash UP! wurde.

Simon Frenz von der Squash UP! Initiative ist unter simon@squashup.de erreichbar.

 

Das Interview führte Lennard Jessen für den DSQV.

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