Hendrik Vössing: „Headcoach des Paderborner SC und Landestrainer in NRW sind eine große Ehre und der richtige Schritt“

(LJ) Paderborn – Im Alter von 6 Jahren fing er beim Paderborner SC mit dem Squash als Jugendlicher an. Er folgte seinerzeit einer Schnuppertraining-Einladung der damaligen PSC-Verantwortlichen nach einem Leistungssport-Auswahltag mehrerer in der Stadt Paderborn ansässiger Sportvereine und fand von Beginn an großes Interesse am Squash. Seit Juni letzten Jahres fungiert Vössing als hauptamtlicher Headcoach beim PSC und ist seit Oktober 2018 nebenamtlich Landesverbandstrainer des mitgliederzahlenmäßig größten deutschen Squash-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen. Im DSQV-Interview spricht er über seine Entscheidung nach Paderborn zu gehen, seine Trainertätigkeit im Ausland, seine Paderborner Trainerakademie, seine Arbeit während der Corona-Krise, die Zusammenarbeit mit DSQV-Chefbundestrainer Oliver Pettke und noch vieles Weitere.

Hendrik Vössing im DSQV-Interview – Bild: PSC / Jürgen Siggemann

Hallo, Hendrik. Super, dass du Zeit für ein Interview mit dem DSQV hast. Was waren vor rund einem Jahr deine Beweggründe, nach rund 3,5 Jahren beim 1. Bremer SC wieder zu deinem Ursprungsverein Paderborner SC zurückzukehren?

Das Angebot vom Paderborner SC habe ich sehr früh erhalten und habe mich sehr darüber gefreut. Wenn man eine Option hat nach Paderborn als Squashtrainer zu gehen, dann sollte man diese einmalige Chance nutzen. Headcoach des erfolgreichsten deutschen Squashvereins und Landestrainer in NRW sein zu dürfen, sind eine große Ehre und war für mich der richtige Schritt.

Nach deinem Abitur 2015 zogst du zunächst für rund zwei Jahre nach Finnland und wurdest finnischer Nationaltrainer im U19-Jugendbereich. Wie entstand diese Verbindung und wie hat dich diese Zeit geprägt?

Die Verbindung entstand durch den früheren Paderborner Headcoach Tomi Niinimäki. Wie viele andere auch habe ich nach meinem Abitur nach etwas Herausforderndem gesucht, bei dem ich gleichzeitig meinem größten Hobby Squash nachgehen kann. Mit Lasse Ekholm, damaliger Manager des finnischen Squash-Verbandes, und Ari Pelkonen, damaliger finnischer Nationaltrainer der Damen und Herren, habe ich ein super Umfeld vorgefunden und eine tolle Squashzeit gehabt, in der ich meine Trainerskills ausbildete. So habe ich u.a. im Einzel- und Gruppentraining gelernt, wie man besonders mit Kindern umgeht. Und letztlich habe ich natürlich auch vieles von der Kultur mitgenommen, spreche ein wenig Finnisch und kann es gut verstehen.

Was macht für dich das Trainerdasein im Kern aus und was muss deiner Meinung nach ein guter Trainer unbedingt haben?

Man muss auf jeden Fall eine Vorbildrolle für die zu Trainierenden einnehmen. Wenn du vor den Kindern stehst, ist das sehr wichtig, damit sie dir zuhören. So bekommt man den Bezug zu den Kindern. Auch ist es wichtig, sich den nötigen Respekt zu erarbeiten, um gemeinsam zu arbeiten. Der besondere Reiz ist für mich, die Entwicklung der Personen zu sehen, die ich trainiere. Das motiviert mich sehr in meiner täglichen Arbeit.

Wie viele Stunden pro Woche stehst du durchschnittlich auf dem Squashcourt? Was bietest du für Kurse an?

Im Durchschnitt stehe ich rund 30 Stunden pro Woche auf dem Court und biete Kurse aller Facetten an. Mit der Universität in Paderborn arbeite ich auch zusammen und gebe sowohl Training für Anfänger und Fortgeschrittene. Das Zentrum meiner Tätigkeit ist das Gruppentraining und die Leitung der Paderborner Squash Akademie. Besonders schön ist es, dass ich in Paderborn mit vier weiteren Trainern in der Akademie zusammenarbeiten kann, sodass wir ein großes Angebot stellen und auch die Nachfrage bedienen können. In der Akademie trainiere ich unter anderem auch die Vollprofis Simon Rösner und Raphael Kandra. Auf NRW-Ebene koordiniere ich u.a. die Trainertätigkeiten mit vier weiteren Stützpunktleitern und leite den NRW-Leistungsstützpunkt hier direkt in Paderborn.

Du sprachst eben deine Paderborner Trainerakademie an. Wie sieht diese im Groben aus?

Mein Ziel mit der Trainerakademie ist es, sowohl im Einzel- als auch Gruppentraining Spielerinnen und Spieler bestmöglich zu unterstützen und ihre Leistungen zu verbessern. So trainiere ich unter anderem mit Ineta Mackevica rund fünfmal pro Woche und koordiniere ihr Wochenprogramm und gebe ihr auch Tipps auf der PSA World Tour gegen ihre Gegnerinnen. Auch mit Simon Rösner und Raphael Kandra trainiere ich jeweils rund zweimal pro Woche. Natürlich sind auch Gruppentrainings großer elementarer Bestandteil der Akademie. Ich habe mit meinem vierköpfigen PSC-Trainerteam die Möglichkeit, mit bis 200 Leuten hier direkt in Paderborn zu trainieren.

Das hört sich nach zeitintensiver Arbeit an. Wie schaffst du es, deine Trainertätigkeit beim Paderborner SC mit deiner zusätzlichen Aufgabe als NRW-Landesverbandstrainer in Einklang zu bringen?

Das ist kein Problem und sehr gut zu koordinieren. Meine vier Stützpunkttrainer in NRW helfen mir sehr gut und ich kann mich auf alle voll und ganz verlassen. Uns allen ist es sehr wichtig, dass wir den Jugendlichen vor allem den Spaß am Squash vermitteln, denn danach kommt der Leistungswille ganz von allein. In NRW haben wir derzeit in Hasbergen, Duisburg, Rheydt und Paderborn einen Leistungsstützpunkt.

Bei so viel Trainertätigkeit: Wie viel Zeit bleibt dir da noch für eigenes Training neben deinen ganzen Aufgaben?

Ich stehe jeden Tag mindestens einmal auf dem Court und nehme natürlich aus den Übungen auch viel mit für mein eigenes Spiel. Z.B. beim Double-Bounce-Spiel mit Simon oder Raphi, wo bei mir jeder Ball zweimal auftippen darf und bei den anderen beiden nur einmal. Wenn ich freie Zeit habe, bin ich öfters auf den Indoor-Laufbahnen und im Fitnessbereich anzutreffen. Die beiden Tätigkeiten zu koordinieren kann ich sehr gut.

Derzeit herrscht die Corona-Krise. Was bleiben da für dich als Coach für Optionen trotzdem deiner Tätigkeit als Trainer nachzugehen? Wie hast du deine Arbeit inzwischen angepasst?

Derzeit kann ich durch die behördlichen Verfügungen, die u.a. zur vorübergehenden Schließung des Ahorn-Sportparks geführt haben, nicht mehr aktiv vor Ort im Squashcourt sein. Daher bin ich derzeit viel zu Hause und fertige u.a. Trainingsvideos an, die ich auf medialen Wegen verbreite. Selbst trainiere ich dann im Home-Workout und halte per Handy den Kontakt zu meinen Trainingsgruppen. Außerdem erstelle ich neue Trainingskonzepte, um auch auf die Zeit nach dem Corona-Virus vorbereitet zu sein und auch weitere Strukturen für meine zukünftige Arbeit zu schaffen.

Was kennzeichnet das Trainingsumfeld in Paderborn?

Kennzeichnend ist vor allem, dass es hier ein sehr breites Abbild des gesamten Sports gibt. So hast du von den beiden Vollprofis wie Simon Rösner und Raphael Kandra bis zum Anfänger alles dabei und dabei sind auch alle Altersgruppen vertreten. Der Paderborner Ahorn-Sportpark ist wohl eine einzigartige Multi-Funktionssportanlage, wo du alles vor Ort hast: Eine 400-Meter Laufbahn außen mit kleinem Leichtathletikstadion, eine 200-Meter-Laufbahn im Indoorbereich, Basketballfelder, Turnbereiche, Squashcourts, großer Fitnessbereich, Tagungsräume, Trimmdichpfad und noch vieles mehr lässt das Sportlerherz höher schlagen. Weiteres Merkmal hier in Paderborn ist es, dass wir als Squashverein mit namhaften Sportvereinen zusammenarbeiten können wie u.a. den Erstliga-Baseballern der Untouchables Paderborn. Mit den Erstligafußballern des SC Paderborn 07, den Leichtathleten von LC Paderborn oder den ProA-Basketballern Uni Baskets Paderborn hat Paderborn weitere hochklassige Mannschaften und Vereine im Stadtgebiet. Paderborn wird daher auch nicht ohne Grund als Sportstadt bezeichnet.

Als NRW-Landesverbandstrainer und PSC-Headcoach hast du sicher auch Kontakt zum DSQV-Chefbundestrainer Oliver Pettke. Wie sieht dieser dann aus?

Von Oliver Pettke habe ich viel gelernt. Bei ihm habe ich u.a. meine B-Trainerprüfung beim Deutschen Squash Verband abgelegt. Ich stehe mit ihm u.a. im Kontakt über unsere Paderborner Damen- und Herrenspitzenspieler, die Bestandteil der Nationalmannschaft sind. Aber natürlich stimme ich auch Trainingskonzepte und neue Ideen mit ihm ab, die ich dann im Landesverband entsprechend anwende. Außerdem hole ich mir stets Feedback und Tipps für meine Arbeit von ihm. Oft trifft man sich auf den verschiedenen Deutschen Ranglisten, wo ich dann die Jugendlichen aus NRW unterstütze, und hat hier dann noch weiteren Kontakt.

Das war ein sehr interessantes Interview, Hendrik! Vielen Dank für deine Zeit und wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg bei allen anstehenden Aufgaben.

Danke, Lennard. Gerne. Kein Problem.

 

Das Interview führte Lennard Jessen für den DSQV.

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