DSQV-Präsident Steve Mann im Sommerinterview

(LJ) Bocholt – In der Sommerpause nutzte der DSQV nun die Gelegenheit, seinen Präsidenten zu interviewen. DSQV-Präsident Steve Mann stand Rede und Antwort und beantwortet im Interview Fragen zu seinem Engagement im Squash, seinen Zielen für seine zweite Amtszeit als Präsident, seinem gewöhnlichen Tagesablauf und noch weiteren Dingen.

Nach drei Amtszeiten als Vizepräsident Finanzen bist du nun in der zweiten Periode als Präsident des DSQV tätig. Am Ende deiner aktuellen Amtszeit bist du damit rund 20 Jahre in Diensten des DSQV gewesen und kannst ein Jubiläum feiern. Was reizt dich an dem Engagement für den deutschen Squashsport? Spielst du auch selbst?

DSQV-Präsident Steve Mann – Bild: DSQV e.V.

Zunächst habe ich wie viele andere auch in den 1980er-Jahren angefangen mit Squash. Dies war in einem Verein in Hamburg.

Dabei habe ich wie die meisten Spieler überwiegend nur an meine Spiele gedacht. Später habe ich mir über die Organisation innerhalb des Landesverbandes Gedanken gemacht und bin deswegen in den Vorstand meines Vereins eingetreten und im Jahr 1989 in den Vorstand des Landesverbandes gewählt worden. Für mich war es von Beginn an klar, dass man selbst das Heft des Handelns in die Hand nehmen muss, wenn man etwas verändern möchte. Jahrelang war ich somit bei den DSQV-Mitgliedsversammlungen und habe mitbekommen, wie wenig die kleinen Verbände in Diskussionen berücksichtigt wurden.

Es kam dann der Zeitpunkt, an dem ich dieses Verhalten nicht mehr akzeptieren wollte und deshalb war ich bereit, Zeit als Vize-Präsident Finanzen im DSQV zu investieren, um für eine bessere Gemeinschaft miteinander zu arbeiten. Ich bin der Meinung, dass wir dies über die Jahre gut hinbekommen haben. Wie die restlichen Kollegen im Präsidium verbringe ich sehr viel Zeit damit, Squash in Deutschland voranzutreiben und dabei darauf zu achten, dass im Präsidium die eigenen, Mannschafts-, Vereins- und Landesverbandsinteressen nicht in den Vordergrund treten. Diese Haltung, für Deutschland insgesamt tätig zu sein, ist mir sehr wichtig.

Leider musste ich nach einem Unfall vor einigen Jahren das aktive Spielen aufgeben, aber wenn ich unsere Spieler in Action sehe, bin ich 100 % dabei und empfinde es, als ob ich mitspielen würde.

Du bist seit April dieses Jahres wie angesprochen in der zweiten Amtszeit als Präsident des Deutschen Squash Verbandes tätig. Was sind deine Kernziele für die nächsten vier Jahre für den DSQV und den Squashsport in Deutschland in deiner zweiten Amtszeit als Präsident?

Wie ich vorher gesagt habe, ist es sehr wichtig, dass wir mit allen Landesverbänden gemeinschaftlich zusammenarbeiten. Dabei ist es erforderlich, dass ein gegenseitiges Verständnis für die Probleme des Gegenüber entsteht, was wir meiner Meinung nach gut hinbekommen.

Wir haben ebenfalls die Absicht, eine Deutsche Rangliste zu konzipieren, die nicht nur die Ergebnisse der DSQV-Ranglisten, sondern auch die aller Landesverbandsturniere berücksichtigt. Mit der neuen Turniersoftware wäre dies abbildbar, allerdings ist dies ein langer Prozess mit viel verbundener Arbeit.

Bei unserer Arbeit konzentrieren wir uns nicht nur auf unsere Vereinsspieler. Denn wir sind zuständig für Squash in Deutschland. Dies bedeutet, dass wir für jeden zuständig sind, der Squash spielt und Spaß an unserer schönen Sportart hat. Unsere neue Internetseite soll ebenfalls in diese Richtung ausgebaut werden.

Ebenfalls ein wichtiges Thema ist Sporternährung für unsere Athleten, so dass wir zeigen können, wie einfach es ist, sich gut und vernünftig zu ernähren.

Außerdem besteht eine wichtige Aufgabe darin, dass wir mehr Damen in unsere Vereine bekommen und dass wir ausreichend Trainer zur Verfügung haben. Deswegen wollen wir den Landesverbänden dabei helfen, noch mehr Trainer auszubilden.

Als DSQV-Präsident bist du in vielen verschiedenen Angelegenheiten involviert. Wie sieht ein gewöhnlicher Tag bei dir aus?

Du fragst nach einem gewöhnlichen Tag, was eine nicht so einfache Sache ist. Zuerst lese ich am Morgen die E-Mails der vorigen Nacht. Hier gibt es meistens zwei oder drei E-Mails, die ich sofort beantworten muss, die restlichen sind nur zur Kenntnisnahme. Danach gehe ich oft für zwei Stunden in meinen Fitness-Club. Nach dem Frühstück gegen 13 oder 14 Uhr arbeite ich die angekommenen E-Mails  ab und erledige ich die gegebenenfalls daraus resultierenden Telefonate, was teilweise sehr lange dauern kann. Auch sind vielfach Gespräche mit dem europäischen Squashverband oder dem Weltverband zu führen. Um 18 Uhr ist in der Regel Schluss und ich gehe dann in die Küche, um mich um das Abendessen mit meiner Frau zu kümmern. Häufig sind am Abend auch noch wichtige E-Mails zu bearbeiten oder das eine oder andere Telefonat zu führen. Natürlich gibt es den einen oder anderen Tag, wo dies aus diversen Gründen nicht eingehalten werden kann.

Ich schätze, dass ich an 365 Tagen im Jahr mindestens vier Stunden jeden Tag mit DSQV-Arbeit verbringe, das bedeutet auch im Urlaub. An ca. 50 Tagen im Jahr arbeite ich sogar zwischen fünf und acht Stunden am Tag für den DSQV und im letzten Jahr waren es um die 20 Tage, an denen ich zwischen acht und 14 Stunden gearbeitet habe. Anders laufen die Tage, an denen ich für den DSQV an diversen Sitzungen teilnehme.

Squash hatte vor Kurzem zum wiederholten Male mit seiner Olympiabewerbung keinen Erfolg und Breakdance wurde in das Olympische Programm 2024 in Paris aufgenommen. Wie bewertet der DSQV diese Entscheidung? Was bedeutet das für den deutschen Squashsport?

Als wir diese Entscheidung vernommen haben, waren wir natürlich sehr enttäuscht und konnten dies leider nicht verstehen. Aber es hat in der letzten Zeit mehrere fragwürdige Entscheidungen des IOC gegeben. Für uns bedeutet das, dass wir weiter machen müssen wie bisher. Im Einzelnen: Kämpfen um das gerechte Ansehen unserer Athletinnen und Athleten, Kämpfen um neue jugendliche Spielerinnen und Spieler zu gewinnen, Kämpfen um jede Möglichkeit in die Medien zu kommen und Kämpfen um jeden neuen Sponsor.

Die Damen-Nationalmannschaft hat in diesem Jahr bei den Team-EM den Wiederaufstieg in die erste Division geschafft. Die Herren haben die Klasse in der höchsten Division gehalten trotz Fehlen des aktuellen Deutschen Einzelmeisters Raphael Kandra. Mit Simon Rösner und Raphael Kandra hat der DSQV zwei Topathleten in den TOP 30 der aktuellen Herren-Weltrangliste. Wie siehst du den DSQV international aufgestellt?

Dieses Event in Birmingham war großartig. Die Damen haben sich ihren Platz in die erste Division eindrucksvoll mit einer ganz starken Teamleistung zurückerkämpft. Nicht nur die Spielerinnen waren hervorragend, sondern auch der Damen-Bundestrainer Uwe Peters. Auch der Bundestrainer Oliver Pettke sowie unser Herren-Team haben unsere Damen sehr gut gepusht.

Die Herren haben ausgezeichnet gespielt. Wäre Raphael Kandra dabei gewesen, wäre mit Sicherheit ein Podestplatz drin gewesen. Die nächste Möglichkeit dazu wird es im kommenden Jahr im Mai geben.

Ich danke in diesem Sinne sowohl Bundestrainer Oliver Pettke, Damen-Bundestrainer Uwe Peters und Physiotherapeut Ralph Michna sowie der gesamten deutschen Mannschaft, die eine tolle sportliche Leistung gezeigt haben und ausgezeichnete Botschafter für Squash in Deutschland waren.

Mit Simon Rösner und Raphael Kandra haben wir zwei Spieler in den TOP 30. Aber ich denke, dass wir mit Yannik Omlor und Valentin Rapp zwei weitere gute Nachwuchsspieler haben, die weit kommen können. Wenn Rudi Rohrmüller und Lucas Wirths bei der PSA spielen würden, könnten diese meiner Meinung nach auch weit kommen. Insgesamt ist es wichtig, dass wir stets an einem gesunden Unterbau arbeiten und an unseren Nachwuchs denken, so dass immer wieder neue Spitzenspieler nachkommen. Derzeit haben wir sehr viele junge Spieler, die bei der PSA spielen und damit eine gute Grundlage.

Ich danke dir für das Interview, Steve, und wünsche weiterhin viel Erfolg bei allen anstehenden Aufgaben.

Danke dir, Lennard.

 

Das Interview führte Lennard Jessen für den DSQV.

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