Abdel-Rahman Ghait: “Für Deutschland zu spielen ist eine große Ehre“

(LJ) Köln – Jugendnationalspieler Abdel-Rahman Ghait (19, Bild: rechts) wurde im letzten Jahr Deutscher Vize-Jugendeinzelmeister U19 in Hamburg und spielt in der Bundesliga der DSL für SC Turnhalle-Niederrhein. Er spielt Squash seit 2008 und kam durch seinen älteren Bruder dazu. Geboren wurde Ghait in Köln, ging im Alter von fünf Jahren nach Ägypten und besuchte dort eine deutsche Schule. Im Jahr 2016 kehrte er nach Deutschland zurück und spielte bereits bei den Team-EM U17 (2017) und im vergangenen Jahr bei der Team-WM U19 für die Deutsche Jugend-Nationalmannschaft. Er stellte sich jetzt den Fragen des DSQV in einem ausführlichen Interview.

Jugendnationalspieler Abdel-Rahman Ghait (re, hier bei den German Junior Open 2019) im DSQV-Interview - Bild (Archiv): Henning AngererHallo, Abdel. Super, dass du Zeit für ein Interview hast. In diesem Jahr musstest du verletzungsbedingt eine Woche vor den Deutschen Jugendeinzelmeisterschaften im April absagen und konntest daher auch nicht bei der Team-EM U19 für Deutschland spielen. Wie steht es um deine Verletzung?

Gerne, Lennard. Ich freue mich über die Möglichkeit dieses Interviews sehr. Finde ich super, dass so etwas gemacht wird. Du hast recht. Leider konnte ich dieses Jahr sowohl die Deutsche Jugendeinzelmeisterschaft (Anmerkung der Redaktion: DJEM) und damit auch nicht bei der Team-EM U19 starten, weil ich mir am Montag vor der DJEM einen Gelenksanbruch im rechten Handgelenk zugezogen hatte. Aktuell bin ich ca. 50 % fit und kann schon wieder gut trainieren. Ich fühle mich von Tag zu Tag besser, habe aktuell noch viel Physiotherapie und versuche so meinen Trainingszustand wieder voll herzustellen und aufzubauen. Besonders wichtig ist aktuell der Fitnessbereich, weil ich mich im Übergang von der Jugend zu den Erwachsenen befinde.

Du hast im Jahr 2017 bei den Team-EM U15/17 in Prag dein Debüt in der Deutschen Jugend-Nationalmannschaft gegeben, wo ihr Platz 11 von 16 geholt habt in der U17. Letztes Jahr hast du bei der Team-WM U19 in Indien sowohl im Einzel als auch im Team für Deutschland gespielt und ihr wurdet 16. von 24 Mannschaften und habt dabei u.a. einen ganz starken Sieg gegen das höhergesetzte Frankreich feiern können. Außerdem hast du im Team-Wettbewerb die indische Nummer eins Yash Fadte besiegt und dich damit erfolgreich für die Niederlage im Rahmen der Einzel-WM revanchiert. Wie blickst du auf deine Zeit im Jugendnationalteam zurück?

Es war eine super Zeit. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich für Deutschland in meiner Jugend spielen durfte und es war eine sehr große Ehre für mich. Es waren unvergessliche viele schöne Momente und ich würde es jederzeit gerne wieder machen. Der schönste Moment war sicher unser Sieg bei den Team-WM U19 im vergangenen Jahr gegen Frankreich, wo meine Teamkollegen den Sieg klarmachten und ich später noch die indische Nummer eins bezwingen konnte. Auch möchte ich sowohl unserem Bundestrainer Oliver Pettke als auch Bundeshonorartrainer U19 Rainer Müller eine große Danksagung aussprechen. Sie sind und waren immer da und haben uns bestens betreut in allen Situationen.

Seit zwei Saisons spielst du nun für SC Turnhalle-Niederrhein in der Bundesliga der Deutschen Squash Liga (DSL). Vorher warst du beim 1. Erlanger SC. In der letzten Saison habt ihr mit Platz sechs einen soliden Mittelfeldplatz erreicht und du hast von 14 Matches 8 gewonnen. Was macht für dich das Team Krefeld aus und wie bist du dorthin gekommen?

Als ich vor einiger Zeit nach Köln umgezogen bin, habe ich mich nach einem Verein in NRW umgeschaut, der in der Bundesliga spielt. Alle waren dort sehr offen von Beginn an und mir gefiel das Projekt und die Einstellung bei allen Beteiligten und freue mich in dem Team dabei zu sein. Als ich nach Köln kam, wollte ich durch den Spielbetrieb in der Bundesliga auch meinen nächsten Entwicklungsschritt vollziehen. Unser Ziel in der kommenden Saison ist es, in die Endrunde zu kommen. Wir haben einige Verstärkungen bekommen. Auch freue ich mich sehr, dass mein ehemaliger Nationalteamkollege aus der Jugend und guter Freund Maximilian Baum ab der kommenden Saison in Krefeld spielt. Wir haben uns jahrelang duelliert und nun können wir gemeinsam auf Punktejagd gehen.

Jeder Spieler hat Stärken und Schwächen. Wie würdest du das bei dir beurteilen?

Also ich finde, dass ich ein talentierter Techniker bin, der viel mit dem Ball machen kann. Woran ich noch arbeiten muss ist eindeutig die Fitness im Allgemeinen.

Die neue Saison startet in Kürze. In der Deutschen Rangliste der Herren stehst du aktuell auf Platz 19. Was hast du dir vorgenommen an Zielen insgesamt?

Da ich im kommenden Jahr Abitur machen werde, bin ich zeitlich etwas eingeschränkt. Doch werde ich national versuchen so viele Turniere wie möglich zu spielen und natürlich in der Bundesliga. Mein Ziel bei den Herren in Deutschland ist es, in die TOP 10 am Saisonende zu gelangen. Bisher habe ich als bestes Ergebnis ein Viertelfinale bei den Herren A auf einer Deutschen Rangliste erreicht. Nun möchte ich weiterkommen und mindestens das Halbfinale auf einem Turnier erreichen. In der Bundesliga will ich alle Spiele für meine Mannschaft gewinnen, wo ich eingesetzt werde. Außerdem ist mein langfristiges Ziel, dass ich mich mit meinen Leistungen für die deutsche Nationalmannschaft der Herren empfehlen möchte.

Du sagtest eben, dass du im kommenden Jahr Abitur machen wirst. Hast du schon einen Plan, wie es danach weitergeht? Studium, Ausbildung oder vielleicht Weltranglistenturniere spielen?

Nach aktuellem Stand ist mein Plan, dass ich ein Studium aufnehmen werde. Aber aktuell steht noch nicht fest, welches Fach es werden wird. Dass ich vielleicht das eine oder andere Weltranglistenturnier spielen werde, ist sicher nicht ausgeschlossen, aber die Tendenz geht aktuell eindeutig in Richtung Studium.

Bei den European Junior Open im Juli dieses Jahres warst du als Schiedsrichter vor Ort im Einsatz. Wird man dich künftig häufiger als Schiedsrichter im Einsatz sehen? Wie kam es dazu?

Ich engagiere mich gerne für den Squashbereich, so habe ich z.B. auch den Jugendtrainerschein absolviert. WSF-Schiedsrichter Ralf Harenberg hatte mich gefragt, ob ich in diesem Jahr mitunterstützen möchte als Schiedsrichter und ich fand das spannend, zumal ich auch direkt in Köln wohne und so meine Schiedsrichterlizenz verlängern konnte. Da ich meistens selbst auf Turnieren spiele, werde ich nicht so oft ausschließlich als Schiedsrichter fungieren. Aber ich kann mir vorstellen, im kommenden Jahr erneut in Köln bei den European Junior Open zu unterstützen. Das war eine tolle Sache.

Danke dir für deine Zeit und das Interesse an diesem Interview, Abdel. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg bei allen anstehenden Aufgaben.

Danke, Lennard.

 

Das Interview führte Lennard Jessen für den DSQV.

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